1 altersstufe 1 laufen und bewegen?t=1520501167 2 interaktion?t=15205008783 kommunikation?t=15205009057 sprachentwicklung?t=15205010048 wahrnehmung?t=1520501024

Warum Rituale für Kinder so wichtig sind

Rituale sind für Kinder wie kleine Inseln, die sie sich in dieser schier unendlichen Welt erschaffen. Sie geben ihnen Halt und Orientierung. Und nicht nur für Kinder, auch für Eltern machen Rituale vieles leichter. Zähne putzen, Gute-Nacht-Lied, Licht aus. Wer diesen Ablauf kennt, muss nicht jedes Mal darüber nachdenken.

Rituale geben Sicherheit

Stellen Sie sich vor, Sie wachen morgens auf und finden sich auf einem fremden Planeten. Sie haben die Umgebung noch nie gesehen, sprechen die Sprache der Bewohner nicht und haben keine Ahnung, welche sozialen und kulturellen Regeln gelten. So ähnlich ist es für Kleinkinder. Unsere Welt ist ihnen völlig fremd! Mama und Papa sind der Anker, von dem aus sie die Welt erforschen. 

In den vielen fremden Situationen des Alltags geben wiederkehrende Abläufe dem Kind Sicherheit.

  • Wer jeden Tag von den Eltern geweckt wird, muss sich morgens nicht fragen, ob es schon Zeit ist, nach Mama und Papa zu schreien.
  • Wenn Mama sich in der Kita immer mit einem Kuss von mir verabschiedet und sie hat mich noch nicht geküsst, dann muss ich auch keine Sorgen haben, dass sie mich verlässt.

Rituale vereinfachen 

Wenn man etwas immer gleich tut, lernt das Gehirn das schnell als Regel. Abläufe werden automatisiert und nicht mehr hinterfragt.

  • Wer immer nach dem Frühstück seine Zähne putzt, geht bald automatisch ins Bad und nimmt die Zahnbürste.
  • Wenn die Familie nach dem Essen stets gemeinsam den Tisch abräumt, trägt bald jeder von selbst seinen Teller zur Spülmaschine.

Rituale für Kinder verschönern Alltägliches

Rituale können banale Aufgaben sehr viel angenehmer machen.

  • Hände waschen vor dem Essen wird viel lustiger, wenn Papa jedes Mal den Wasserhahn sprechen lässt oder das Kind eine duftende Seife aussuchen darf. 
  • Aufräumen wird zur Entspannung mit einer speziellen Aufräummusik. Legen Sie dafür ein Stück fest, das sonst nie gehört wird. Sie werden staunen, wie viel man während der Dauer eines Liedes aufräumen kann.
  • Auf Wunden pusten oder „Heile, heile Segen“ singen – auch das sind wunderbare Rituale, die Unangenehmes erleichtern.

Rituale machen Entscheidungen überflüssig

Haben wir alles richtig gemacht? Bekommt unser Kind, was es braucht? Wer Kinder hat, stellt sich Fragen und steht vor Entscheidungen. Rituale können da entlasten. 

  • Ist mein Kind jetzt müde oder noch nicht? Egal, jetzt zur Bettzeit darf es so oder so zur Ruhe gehen.
  • Ist mehr oder weniger Süßes gut? Wenn wir uns auf eine Portion am Tag geeinigt haben, hinterfragen wir das bis auf Weiteres nicht.

Zeit und Ort für Rituale

  • Der Übergang vom Tag zur Nacht (und umgekehrt) ist der am weitesten verbreitete Ort für Rituale mit Kindern. Morgens noch im Bett die erste Milchflasche trinken, abends das immer gleiche Gute-Nacht-Lied singen … 
  • Für alles, was sich täglich wiederholt, bieten sich Rituale an: Zähneputzen gehen Mama, Papa und Kind immer zusammen, zum Schuhe anziehen gibt es einen Spruch, zum Tisch decken Musik …
  • Wenn Sie eine Regel einführen möchten, „schluckt“ das Kind sie als Ritual leichter. Statt zu sagen: „Einen Erwachsenen musst du höflich begrüßen“, machen Sie es vor. Begrüßen Sie Ihr Kind morgens oder nach der Kita immer gleich, begrüßen Sie andere Erwachsene mit einem Händeschütteln oder ähnlichem Ritual. Kinder lernen durch Nachahmung! 

Rituale brauchen Veränderung

Es mag paradox klingen, aber auch Rituale mit Kindern verändern sich. Jedes Alter und jede Entwicklungsphase kann seine eigenen Gewohnheiten erfordern. Und wenn Ihr Kind krank ist oder anderweitig Stress hat, gilt sowieso immer: Schauen Sie, was es genau jetzt braucht – liebevolle Ausnahmen oder liebgewordene Rituale.