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Erziehung zur Selbstständigkeit

Lass dein Kind fliegen!

Am Anfang war Ihr Baby von Ihnen abhängig und Sie haben es kaum eine Minute aus den Augen gelassen – höchstens beim Schlafen oder wenn ein anderer Erwachsener dabei war. Nun aber sind einige Jahre vergangen und Ihr Grundschulkind ist schon richtig groß geworden. Und dabei wird es immer selbstständiger.

Selbständigkeit bei Kindern


Vielleicht haben Sie noch nie darüber nachgedacht, aber es stimmt: Dass Ihr Kind selbstständig wird, ist im Grunde das einzige und wichtigste Ziel Ihrer Erziehung! Es ist der Grund, warum Mutter Natur uns überhaupt Kinder bekommen lässt: Damit selbstständige Erwachsene dann wieder Nachkommen haben können. Natürlich möchten Sie nebenbei noch eine Menge mehr: Ihr Kind soll glücklich sein, sich gut entwickeln, Freunde finden, Freud und Leid erleben und, und, und. 
Kinder werden nicht von heute auf morgen selbstständig. Es ist ein Prozess, der mit der Geburt beginnt. Wichtige Schritte auf dem Weg sind der Eintritt in den Kindergarten , die sogenannte Trotzphase  und die Einschulung . In der Grundschulzeit geht es zum einen darum, Ihr Kind eigene Entscheidungen treffen zu lassen, zum Beispiel, was es von seinem Taschengeld  kauft oder welche Freunde  es hat. Zum anderen kommt nun die Zeit, wo Ihr Kind mehr alleine tun kann. 

Wann wird mein Kind selbstständig?


Jedes Kind ist anders. Manche sind unabhängiger, andere brauchen mehr Sicherheit. Manche sind alleine zu Hause ängstlich, die anderen, wenn sie ohne Begleitung unterwegs sind. Zwingen Sie Ihr Kind also zu nichts, was es nicht möchte! Auch die Altersangaben sind kein Muss, sondern ein Kann.


Ab 6-7 Jahren können Kinder:

  • Verabredungen selbst treffen, 
  • woanders übernachten,
  • sich in der näheren Umgebung der Wohnung zu Fuß oder mit dem Rad frei bewegen (zu Freunden, einkaufen, zur Schule, zum Sportverein),
  • tagsüber kurz alleine zu Hause bleiben.

Ab 8-9 Jahren können Kinder:

  • tagsüber auch länger alleine zu Hause bleiben,
  • tagsüber kurz alleine draußen an einem vertrauten Ort bleiben (Spielplatz, Schulhof), 
  • Einkäufe für die Familie erledigen.

Ab 10 Jahren können Kinder:

  • auch abends alleine zu Hause bleiben,
  • sich in der weiteren Umgebung der Wohnung frei bewegen, auch mit dem Bus,
  • erste Termine selbstständig wahrnehmen, etwa beim Friseur.

Mut zur Selbstständigkeit – für Ihr Kind


Ihr Kind wird sicher mal unsicher oder ängstlich sein, wenn es einen neuen Schritt in die Selbstständigkeit wagt. Erzählen Sie dann ganz gelassen von Ihren eigenen Gefühlen: „Ich verstehe das, ich bin auch oft aufgeregt, wenn ich etwas Neues erlebe.“ Und dann machen Sie Ihrem Kind Mut, zum Beispiel indem Sie es an Dinge erinnern, die es schon geschafft hat. Zeigen Sie Vertrauen in seine Fähigkeiten. Sie können auch vorschlagen, dass es den heutigen Schritt nur ein einziges Mal ausprobiert. Wenn das nicht gut klappt, sind Sie beim nächsten Mal wieder dabei. Ein prima Trick, den Ihr Kind wahrscheinlich ganz von selbst anwendet: Lassen Sie Ihr Kind die Selbstständigkeit mit Hilfe von Gleichaltrigen proben. Soll es zum ersten Mal alleine zu Hause bleiben, während Sie einkaufen? Dann tun Sie das, während ein Freund zu Besuch ist. Steht die erste Fahrt alleine zur Schule an? Dann kann es am Anfang den großen Bruder  begleiten. Und natürlich sollten Sie danach nicht mit Lob  sparen.

Mut zur Selbstständigkeit – für Sie


Ihr Kind wird immer größer und selbstständiger? Es braucht Sie immer weniger? Da schmerzt jedes Mutter- und Vaterherz. Und natürlich macht es auch Angst: Wird alles gut gehen? Kommt mein Liebling gesund wieder? Das ist ganz normal. Bedenken Sie: Dass Sie Angst haben, bedeutet nicht, dass Ihr Kind tatsächlich in Gefahr schwebt! Atmen Sie ein paar Mal tief durch, lächeln Sie und lassen Sie Ihr Kleines ziehen.
Das Tolle ist ja: Wird Ihr Kind selbstständiger, bringt das auch Ihnen alte Freiheiten zurück. Sie können tagsüber spontaner sein und auch mal kurz für sich bummeln gehen, während Ihr Kind auf dem Spielplatz bleibt. Sie müssen Ihren Nachwuchs nicht mehr zu jedem Arzttermin mitnehmen. Sie müssen nicht mehr für jede abendliche Verabredung einen Babysitter organisieren. Nicht nur Ihr Kind bekommt langsam Flügel, auch Sie fliegen wieder.